Standpunkt
Wie unsere KI die 12-Uhr-Regel auslöste.
Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland die 12-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Am Anfang dieser Regel stand keine Behörde und kein Gutachten, sondern eine Software, die wir selbst geschrieben haben.
Der deutsche Kraftstoffmarkt erzeugt über zwei Millionen Preisänderungen pro Woche. Alle werden an die staatliche Markttransparenzstelle gemeldet, alle sind öffentlich. Es fehlte nie an Daten – es fehlte an der Fähigkeit, sie zu lesen. Die Behörde besaß denselben Datenstrom wie wir und wertete ihn im Wesentlichen nicht aus.
Unsere Systeme auf benzinpreis.de tun das seit über zwanzig Jahren: vollständige Erfassung in Echtzeit statt Stichprobe, lückenloses Archiv bis 2003, KI-gestützte Mustererkennung im gesamten Meldestrom – und jedes Ergebnis rückverfolgbar bis zur einzelnen Meldung.
Was daraus wurde:
- 20. Mai 2025 – Wir veröffentlichen 95.047 missbräuchliche Preismeldungen aus einer einzigen Woche, samt Rohdaten zum Nachrechnen. Preise, die faktisch nie galten, weil sie nach Minuten wieder kassiert wurden.
- Juni/Juli 2025 – Formale Eingaben an Bundeswirtschaftsministerium, Petitionsausschuss des Bundestages und Bundeskartellamt. Dazu die belegte Kritik an der Kontrollpraxis der Markttransparenzstelle.
- 23. Oktober 2025 – Eine Bundesratsinitiative zur Regulierung von Preisänderungen bezieht sich ausdrücklich auf unsere Veröffentlichungen. Unser Vorschlag: Regeln nach österreichischem Vorbild.
- 1. April 2026 – Genau dieses Modell tritt als § 2 des Kraftstoffpreisanpassungsgesetzes in Kraft. Gültig für rund 15.000 Tankstellen, durchgesetzt mit Bußgeldern bis 100.000 Euro.
Den Anstoß zu diesem Gesetz haben wir gegeben. Zu Ende gebracht haben es andere – ein Gesetzgebungsverfahren ist die Arbeit vieler, und daran hatten Ministerien, Abgeordnete und Behörden ihren Anteil. Ohne unsere Untersuchung und unsere Eingaben hätte es diesen Anstoß aber nicht gegeben. Die Kette von der Auswertung über die Eingaben bis zur Initiative, die sich ausdrücklich darauf beruft, ist lückenlos datiert.
Was das für Auftraggeber bedeutet
Dieselbe Software haben wir am zweiten Tag der neuen Regel erneut angesetzt und 590 auffällige Preiserhöhungen nach 12 Uhr veröffentlicht. Niedersachsen hat inzwischen rund 1.900 Verwarnungen ausgesprochen.
Was hier am Kraftstoffmarkt sichtbar wurde, ist technisch eine Frage der Modellierung, nicht der Branche. Ob Preismeldungen, Protokolldaten, Vertragsbestände oder Betriebsdaten: Wer bei uns Software bestellt, bekommt Systeme, die auf vollständigen Daten arbeiten und deren Ergebnisse einer Prüfung standhalten – bis zum einzelnen Datensatz.
Das ist der Unterschied zwischen einer Auswertung, die man glauben muss, und einer, mit der man vor ein Ministerium treten kann.